oder wie wärs damit ...
AT[/u]-Forum am 19.08.06]Also hier mal ein kurzes Review vom diesjährigen Kanzantip 2006.
Zuerst möchte ich vorrausschicken, dass jedermann mit Erwartungen auf solch eine Party fährt. Meine Erwartungen waren wohl nicht allzu hoch angesetzt. Hab mir keinen Luxus, keine Annehmlichkeiten und trotzdem für die Ukraine saftige Preise erwartet und mich dennoch darauf gefreut endlich mal in die "freie Republik" zu kommen, um Party zu erleben, freie Menschen, die egal aus welcher Schicht auch immer zusammenkommen um gemeinsam in der Sonnenaufgang zu tanzen, Mädels und Jungs, die zugedröhnt Ihre Jugend geniessen, Music, die Dir Flügel wachsen lässt.... zumindestens etwas in der Art, nichts Perfektes, aber einfach Ehrliches, beseelt von dem Gedanken die Welt mit Freude an der Party zu erfüllen.... gekommen ist es dann wohl ganz anders.
Kazantip war einmal, was ich mir darunter vorgestellt habe, nämlich frei in Gedanken. Wie soviele großartige Festivals und Parties der letzten zehn Jahre steht auch dieser eigentlich großartigen Idee das kommerzielle Ende bevor. Wie auch bei der Love Parade ist der eigentliche Gedanke verschwunden, geblieben ist der Antrieb Geld zu machen, Geld, Geld, Geld, Geld - und sonst nichts.
Ein Ukrainischer Durchschnittslohn beträgt um die 130 Euro im Monat. In Deutschland/Österreich liegt er bei 1600 Euro. Ein Ticket(Viza) in Kazantip kostet 60 Euro - entspricht 680 Euro in Österreich/Deutschland. Wäre man noch bereit zu zahlen für sechs Wochen oder ein paar Tage Party. (Man fährt ja auch nach Ibiza in die Clubs). Was dafür Geboten wird ist natürlich eigentlich schon absehbar. Reiche Russen und Mädels, deren Aufgabe es zu sein scheint, den POSING CUP in Kazantip zu gewinnen, Party kommt nur dann wahrhaft auf, wenn das Kazantip TV versucht, ein paar Eindrücke für die "armen Menschen", die es nicht in die Ukraine geschafft haben zu sammeln. Da wird dann mal dezent über einen Bauchnabel geleckt... Kamera weg, action vorbei.
Die Toiletten (ca. 4 geöffnete Dixieklos, nie gereinigt und stinkend) kosten ca. 30 cent (3,5 Euro in AUT / DE) obwohl man ja nen saftigen Eintritt zu zahlen hat. Und man muss halt doch zumindestens einmal am Tag austreten. Macht man das woanders (z.B am Zaun) ist sofort einer der ca. 200 Sicherheitsleute da (grobe Schätzung, weil jeder von denen hat ein T Shirt mit Nummer an.) und es kostet 15 EURO (180 Euro AUT/ DE) Strafe, sonst wird man rausgeschmissen. Gratis Sanitäeinrichtungen gibt es nicht.
Ficken am Strand wird genauso bestraft (soviel zu den Geschichten was frei Liebe etc. angeht)
Ein Bier kostet zwischen 3 Euro 0,33l Heineken(35 Euro AUT / DE) und 1,50 EURO 0,5l Ukrainisches Bier (18 EURO AUT / DE).
Sogar die Taxis vorm Eingang müssen anscheinend eigene Kazantip "PASSES" erstehen um dann von den Kazantip Besuchern auch ordentliche Preise für die Taxifahrt verlangen zu können. (Hab zumindestens kein "normales" Taxi vorm Gelände erkennen können.
Der Merchandising Verkauf boomt. T-Shirt zwischen 20 und 35 EURO (250 - 400 EURO AUT / DE).
Zum Thema Drogen nur zwei Zeilen: Xtasy ca. 25.- EURO das Stück, Coke kaum zu bekommen, sehr teuer, LSD sehr teuer, Speed 30.- EURO / gramm, Heroin billig wie sonst nirgends (passt nicht zu meiner Vorstellung, aber vielleicht bin ich da allein auf weiter Flur)
Summa sumarum möchte ich nur sagen: Kazantip ist nicht was es vorgibt zu sein, keine Republik der freien Liebe, Party und Ungezwungenheit. Kanzantip ist eine Geldmaschine, die den Verasntaltern und Agenturen geschätzte 10-15 Millionen Euro pro Jahr an Einnahmen bringt, wobei die Ausgaben so stark minimiert werden wie nur immer möglich. (Beispiel: Nicht mal Toiletten gratis)
Der Arbeitende in Kazantip verdient knapp mehr als der Durschnitt der Ukrainer, die Preise für den Verbraucher sind Europäisch- die Rechnung geht auf, es wird verdient, doch was leider auf der Strecke bleibt ist der eigentliche, tolle Gedanke dieser Veranstaltung- für ein paar Wochen die Welt mit glücklichen Augen sehen zu können.
PS: Mir ist bewußt, dass man die Preise nicht so einfach in ein Relation zum Einkommen setzten kann, doch wird dadurch Augenscheinlich, welche Zielgruppe durch die Veranstaltung angesprochen werden soll. Die Menschen, die auch die nötigen Mittel haben sich solche eine Party zu leisten. Und es gilt die Frage zu beantworten: Wollen wir auf solche Parties?
die seite www.kazantip.de wurde übrigens komplett vom netz genommen ...